Ja, es ist schon echt doof, wenn da
eine Seite mit der „Geschichte des Roten Reporters“ angekündigt wird
und dann ist da seit Monaten nur Baustelle und sonst nix…
Aber wer soll die Geschichte des Roten
Reporters schreiben ? Allzuviele aus der Gründer-Generation sind ja
nicht mehr an Bord. Gut, ich bin noch da. Aber was wäre der Rote Reporter
ohne unsere Genossin Doris Jann (nicht meine Schwester, sondern fast
30 Jahre meine Frau). Die meisten wissen es ja : Doris ist vor zehn
Jahren an Krebs gestorben…
Aber Doris war beim Roten Reporter
(wie bei vielem anderen) die „Mutter der Roten Brigaden“. Zum 1. Mai
1970 (also vor über 34 Jahren) erschien der erste Rote Reporter -
sechs Seiten im DIN A 4-Format, aber schon mit rotem Zeitungskopf.
Es war eine heiße Zeit : Ein Jahr
zuvor waren in der damaligen Bundesrepublik die Kommunisten aus der
Illegalität aufgetaucht (die KPD war 1956 verboten worden). Jetzt
nannten sich die Kommunisten (übrigens nach Verhandlungen und mit
Einverständnis des damaligen Bundespräsidenten Heinemann) kurz DKP.
Doris und ich waren bereits bei den Kommunisten (in der Illegalität)
organisiert und als es legal losging, hatten wir schnell in Wülfrath
eine DKP-Gruppe. Es war überhaupt kein Problem – viele wollten beim
Aufbruch in eine sozialaistische Zukunft dabei sein. Von Anfang an
waren wir bei Kalk Wülfrath stark vertreten. Heinrich Kruse, Kurt
Wehrmeister, Paul Ruppert waren schon immer Kommunisten (und Betriebsräte)
gewesen und fast alle hatten nur noch auf den Startschuss gewartet…
Natürlich waren nicht alle über das
Auftauchen dieser DKP erfreut.
Zum Beispiel „übersah“ uns der damalige
Lokalredakteur des General-Anzeigers (heute WZ), ‚Ernie’ Erbach total
und hunderprozentig. Aber irgendwie mussten wir doch bekannt werden.
Denn das Motto „Tue Gutes und schreibe drüber“ galt auch schon damals.
Da war der Gedanke an eine eigene Zeitung natürlich nicht allzu weit.
Zumal Doris und ich ja ausgebildete
Journalisten waren. Wir hatten beide eine gute Ausbildung bei der
sozialdemokratischen NRZ genossen und waren beide dort (wegen unserer
Mitgliedschaft bei der DKP) im hohen Bogen rausgeflogen. Hatten erstens
Hausverbot und zweitens dann Berufsverbot bekommen (Ja, so war das
damals !). Also beschloss unsere DKP-Gruppe : Wir geben eine eigene
Zeitung heraus. Und der Start zum 1. Mai, dass war genau was für Kommunisten.
Also erschienen wir zum Tag der Arbeit.
Und was war der Aufmacher ? Er könnte
gestern geschrieben sein : „Kein Platz für NPD-Schläger“. Es war schon
damals eine Mischung zwischen großer Politik und viel Wülfrath. So
erfuhren die Wülfrather, dass die DKP mit dem 26jährigen Techniker
Horst Buder aus Ratingen einen eigenen Kandidaten bei der Landtagswahl
hatte (Horst Buder ist heute praktischer Arzt und immer noch in Ratingen)
und dass sich in Wülfrath gerade Gruppen der Jungsozialisten, der
Jungen Union und der Jungdemokraten gebildet hatten und einen „Ring
Politischer Jugend“ gründen wollten (alles Schnee von gestern). Und
die DKP machte mit der Aktion „Stoppt die Preise“ gegen die Verteuertung
der Wasserpreise (auf 75 Pfennig pro Kubikmeter) mobil.
Doris, die damals die DKP-Vorsitzende
in Wülfrath war, schrieb das Leitwort zur ersten Ausgabe und ich wurde
– in genauer Arbeitsteilung – der „Chefredakteur“ des Roten Reporters.
Und das bin ich jetzt schon seit 35 Jahren…
Hier das Titelblatt der ersten Ausgabe
: